Diabetes und Nerven

Neuer Wirkstoff gegen neuropathische Schmerzen?

20. Dez 2016

Diabetes kann die Nerven schädigen und so zu einer starken Berührungsempfindlichkeit oder gar zu Schmerzen führen. Ein neuer Wirkstoff könnte diesen Nervenschmerz lindern, ohne aber andere Empfindungen zu beeinträchtigen, wie das beispielsweise Betäubungsmittel tun. Das berichtet ein Forscherteam im Fachmagazin ‚Nature Neuroscience‘.

Nervenzelle

Quelle: Fotolia/Sebastian Kaulitziki

Die diabetische Neuropathie, also die Schädigung der peripheren Nerven durch Diabetes, kann als Folgeerkrankung bei allen Formen des Diabetes mellitus auftreten. Sie ist eine sehr häufige und für die Patienten oftmals sehr unangenehme Komplikation. Bei vielen Menschen löst sie bereits bei leichten Berührungen einen oft brennenden, stechenden oder dumpfen Schmerz aus. Da die an den Nerven entstandenen Schäden meist nicht reparabel sind, setzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darauf, das Schmerzsignal zu unterbrechen.

Auf der Suche nach geeigneten Möglichkeiten dazu ist man nun einer aktuellen Studie zufolge einen Schritt weiter gekommen. Ein deutsches Forscherteam konnte unter 35.000 Wirkstoffen in einer systematischen Suche einen hoffnungsvollen Kandidaten herausarbeiten. Sein Name ist OB-1, und sein Einsatz führt letztlich zu einer Hemmung eines Schmerzrezeptors mit dem Namen Piezo2. Eigentlich ist dieser für die Wahrnehmung leichten Drucks zuständig, bei der diabetischen Neuropathie führt seine Aktivität aber zu starken Schmerzen. 

Die Wirkweise von OB-1 wurde zunächst in der Zellkultur überprüft und anschließend im Tiermodell bestätigt: Die Forscherinnen und Forscher testeten OB-1 an Mäusen, die aufgrund von Diabetes oder Nervenschäden an neuropathischen Schmerzen litten. Die Injektion von OB-1 verhinderte, dass diese Tiere Berührungsreize als schmerzhaft empfanden. Andere für das Tier wichtige Signale wurden dagegen nicht beeinträchtigt. Hier unterscheidet sich nach Angaben der Studie der Wirkstoff von einem klassischen Betäubungsmittel (Anästhetikum), das wie beim Zahnarzt das gesamte umliegende Gewebe betäubt und oft für die Patienten mit einer diabetischen Neuropathie die einzige Therapieform ist.

Vergleichbar ist allerdings die Wirkdauer, denn auch bei OB-1 kann der Effekt wieder zurückgedreht werden, beziehungsweise klingt nach einer Zeit ab. Die Behandlung selbst könnte deshalb nach Angaben der Autoren nebenwirkungsarm sein. Einschränkend muss man aber festhalten: Bislang wurde OB-1 noch nicht am Menschen getestet, und die Weiterentwicklung des Wirkstoffs zur medizinischen Behandlung werde lange dauern, so die Autoren.

Quellen:

Wetzel, C. et al.: Small-molecule inhibition of STOML3 oligomerization reverses pathological mechanical hypersensitivity. In: Nature Neuroscience, 2016, doi: 10.1038/nn.4454

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft: Neuer Wirkstoff lindert neuropathischen Schmerz. Pressemitteilung vom 12. Dezember 2016


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