Typ-1-Diabetes

Mütter mit Typ-1-Diabetes - Übergewichtige Kinder?

27. Jul 2018

Das Risiko für Übergewicht und Insulinresistenz ist bei Kindern von Müttern mit Typ-1-Diabetes signifikant erhöht. Dies zeigt eine Auswertung der Daten aus drei großen Studien zu Typ-1-Diabetes. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin ‚Diabetologia‘ veröffentlicht.

Kind auf Waage

© Win Nondakowit - Fotolia

Typ-1-Diabetes gilt als die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Doch welche Rolle spielt die Krankheit, wenn die Betroffenen selber einmal Kinder bekommen? Bislang ist bekannt, dass das Risiko für Typ-1-Diabetes bei Kindern von betroffenen Eltern weit höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. Zudem gab es vereinzelte Hinweise aus Vorgängerstudien, dass Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes zusätzlich ein erhöhtes Risiko für das metabolische Syndrom tragen. Die Autoren erklären dies mit den zeitweise hohen Blutzuckerwerten im Mutterleib. Diese scheinen langfristige Auswirkungen auf den Stoffwechsel und das Körpergewicht der Nachkommen zu haben. Ziel der aktuellen Studie war es, diese vermuteten Zusammenhänge mit Daten zu untermauern.

Risiko für Übergewicht teilweise verdoppelt

Ausgangspunkt der Arbeit waren drei große Studien, die die Entstehungsmechanismen von Typ-1-Diabetes aufklären sollten (TEENDIAB, BABYDIAB und BABYDIET). Insgesamt wertete das Wissenschaftlerteam die Daten von knapp 2.800 Kindern aus, die einen erstgradigen Verwandten (also Mutter oder Vater) mit Typ-1-Diabetes hatten. Sie wurden bis zu ihrem 18. Lebensjahr hinsichtlich Stoffwechsel und Körpergewicht untersucht. Eine Auswertung dieser Größenordnung wäre noch vor einigen Jahrzehnten gar nicht möglich gewesen. Damals wurde Frauen mit Typ-1-Diabetes aufgrund der früher hohen Geburtsrisiken von einem Kinderwunsch häufig abgeraten.

Kinder, deren Mütter vor der Schwangerschaft an Typ-1-Diabetes erkrankt waren, wiesen einen deutlich höheren Body-Mass-Index (BMI) auf als Kinder von stoffwechselgesunden Müttern. Bei den Kindern der TEENDIAB-Studie war das Risiko für späteres Übergewicht mehr als doppelt so hoch. Auch weitere Werte wie Hüftumfang, Nüchternglukosespiegel oder das Risiko für Insulinresistenz waren deutlich erhöht, wenn die Mutter Diabetes vom Typ-1 hatte. Zuvor hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits mögliche Störfaktoren wie beispielsweise sozioökonomischen Status der Mutter oder ein höheres Geburtsgewicht herausgerechnet.

Warnsignale bei Kindern frühzeitig erkennen

Die Studie belege, dass Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes nicht nur ein deutlich höheres Risiko für die Krankheit selbst hätten, sondern auch für Übergewicht und Insulinresistenz, schlussfolgern die Autoren. Daher sei es ratsam, dass Kinder- und Jugendmediziner diesen Zusammenhang künftig im Kopf hätten und frühzeitig auf entsprechende Warnsignale bei den betroffenen Kindern achteten.

 

Quellen:

Pitchika, A. et al.: Associations of maternal type 1 diabetes with childhood adiposity and metabolic health in the offspring: prospective cohort study. In: Diabetologia, 2018, DOI: 10.1007/s00125-018-4688-x

Helmholtz Zentrum München: Höherer Body-Mass-Index bei Nachwuchs von Müttern mit Typ-1-Diabetes. Pressemitteilung vom 23.07.2018 (letzter Abruf: 27.07.2018)


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