Diabetesforschung

Insulin-Nasenspray dämpft den Hunger

23. Jun 2017

Insulin aktiviert im Gehirn bestimmte Regionen und kann so helfen, das Hungergefühl zu regulieren. Darauf deutet eine Studie des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung hin. Die Forscherinnen und Forschern hatten den Effekt eines Insulin-Nasensprays untersucht.

Insulin & Gehirn, Quelle: Fotolia/Naeblys

Quelle: Fotolia/Naeblys

Das Essverhalten und das Hungergefühl werden von einer Vielzahl von Hormonen reguliert. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Insulin, das nicht nur im Körper, sondern auch im Gehirn aktiv ist. Dort wirkt es auf den sogenannten Hypothalamus, aber auch andere Hirnregionen wurden schon diskutiert. Die aktuelle Studie bestätigt das und zeigt, dass das Hormon dort den Hunger dämpft.

Insulin-Nasenspray getestet

Für die Studie hatten die Forscher gesunden jungen Erwachsenen ein Insulin-Nasenspray gegeben. Durch den Weg über die Nase umgingen sie die Bluthirnschranke, so dass das Insulin direkt ins Gehirn gelangte. Insgesamt „schnupften“ 25 gesunde schlanke, zehn übergewichtige und zwölf adipöse Erwachsene Insulin oder ein Placebo. Anschließend wurden die Hirnaktivitäten mit Magnetresonanz-Tomographie erfasst.


Das Ergebnis: Die Behandlung verbesserte bei allen Studienteilnehmern das Zusammenspiel verschiedener Hirnregionen, die aktiviert werden, wenn der Mensch ruht und keinerlei Aufgaben nachgeht. Darüber hinaus verstärkten sich durch das Insulin die funktionalen Verbindungen zwischen diesen Hirnregionen und anderen wichtigen Bereichen wie dem Hippocampus und dem Hypothalamus.

Veränderungen im Gehirn beeinflussen das Essverhalten

Diese Effekte veränderten das Hungergefühl der Probanden: Die Autoren berichten, dass die betroffenen Teilnehmer nach intranasaler Insulingabe weniger Hunger hatten. Außerdem beobachteten die Wissenschaftler, dass Insulin im Gehirn auch die Wirkung des Hormons im Körper verbessert. Die Studienteilnehmer mit funktionalen Verbindungen zwischen den besagten Hirnregionen wiesen im Körper eine höhere Insulin-Empfindlichkeit auf. Dieser Effekt wirkt Adipositas und Typ-2-Diabetes entgegen.

Wichtig zu erwähnen ist, dass das Spray aktuell nicht allgemein zu gelassen ist. Zwar handelt es sich um kommerziell erhältliches Humaninsulin, dieses wurde aber für die Studienzwecke jeweils durch einen speziellen Apotheker in Sprühfläschchen umgefüllt. Da es sich um eine nicht allgemein zugelassene Anwendungsart handelt, kann Insulin-Nasenspray nur unter kontrollierten Bedingungen in Studien zum Einsatz kommen. Eine therapeutische Anwendung ist außerhalb von Studien aktuell nicht erlaubt.

Dass Insulin auch im Gehirn eine Rolle spielt, ist grundsätzlich nicht neu. In unserer Video-Reihe „im Fokus“ berichtet Prof. Matthias Tschöp wie zahlreiche Organe am Zuckerstoffwechsel mitwirken und wie die Medizin der Zukunft aussehen könnte. Weitere Videos zum Thema Gehirn und Stoffwechsel finden Sie hier.

Quelle:
Kullmann, S. et al.: Intranasal insulin enhances brain functional connectivity mediating the relationship between adiposity and subjective feeling of hunger. In: Scientific Reports, 2017, DOI:10.1038/s41598-017-01907-w


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