Typ-2-Diabetes

Innere Uhr steuert Fettstoffwechsel und Insulinempfindlichkeit

13. Dez 2019

Die Fettmuster im Blut verändern sich abhängig von der Uhrzeit, zu der gegessen wird, und beeinflussen die Empfindlichkeit für das Hormon Insulin. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung einer deutschen Forschergruppe.

Uhr

© Franz Pfluegl / Fotolia

Viele Prozesse im menschlichen Organismus wie beispielsweise Wach- und Schlafzustand, Körpertemperatur und Blutdruck folgen einem regelmäßigen 24-stündigen Tag- und Nachtrhythmus. Dieser Takt der inneren Uhr wird von einem Netzwerk von Eiweißen und Genen gesteuert und kann durch Licht und Mahlzeiten beeinflusst werden. Störungen des empfindlichen Systems, zum Beispiel durch einen Jetlag oder Schichtarbeit, können Übergewicht, Insulinresistenz und veränderte Blutfettwerte begünstigen und erhöhen das Risiko für Typ-2-Diabetes.

Die Forschergruppe wollte wissen, wie sich der Zeitpunkt der Aufnahme einer kohlenhydratreichen Mahlzeit im Vergleich zu einer fettreichen Mahlzeit auf den Fettstoffwechsel und die Blutzuckerkontrolle auswirkt. Dafür untersuchten sie das Lipidom, also die Gesamtheit der Fette im Blut, von 29 nicht-adipösen, gesunden Männern nach den jeweiligen Testmahlzeiten (vormittags, nachmittags und abends). Insgesamt analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Blut der Probanden 672 Fette aus 14 Fettklassen. Außerdem wurde in der vierwöchigen Studie die Expression der Gene, des Fettstoffwechsels im Fettgewebe untersucht. Unter Genexpression versteht man den Vorgang, bei dem die genetische Information umgesetzt und für die Zelle nutzbar gemacht wird.

Insulinempfindlichkeit am Abend herabgesetzt

Es zeigte sich, dass sowohl die Mahlzeiten selbst als auch die Tageszeit die Zusammensetzung der Fette im Blut beeinflussen. In Abhängigkeit von der Tageszeit änderten sich rund ein Drittel der Fette. Zusammen mit den Blutfetten veränderte sich im Laufe des Tages auch die Insulinempfindlichkeit. Die Studienautoren schlussfolgern, dass die tageszeitlich bedingten Fettmuster ein Grund dafür sein könnten, dass der Körper morgens empfindlicher auf Insulin reagiert als abends.

Weiterhin könnten laut Studienautoren zeitlich abgestimmte Ernährungsempfehlungen, die Vorbeugung von Typ-2-Diabetes beeinflussen. Um zu verstehen, wie die innere Uhr im Detail mit dem Fettstoffwechsel interagiert und dabei möglicherweise die Empfindlichkeit für das Hormon Insulin herabsetzt, sind jedoch noch weitere Studien erforderlich.

Quellen:

Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam – Rehbrücke (DIfE): Fettstoffwechsel und Diabetes: Im Takt der inneren Uhr. Pressemitteilung vom 02.12. 2019

Kessler, K. et al.: Shotgun lipidomics discovered diurnal regulation of lipid metabolism linked to insulin sensitivity in non-diabetic men. In:  J Clin Endocrinol Metab, 2019 


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