Stoffwechselforschung

Wenig Fett am Oberschenkel kann Stoffwechselstörungen anzeigen

04. Aug 2017

Eine aktuelle Studie aus Tübingen zeigt: Die einfache Rechnung „Viel Sport und gesunde Ernährung schützen vor Diabetes“ geht nicht immer auf. Fast jeder fünfte schlanke Mensch hat demnach ein erhöhtes Risiko für Diabetes sowie Herzkreislauferkrankungen. Wenige Fetteinlagerungen am Oberschenkel können der Studie zufolge ein Indiz dafür sein.

Schlank und trotzdem stoffwechselkrank

Quelle: Helmholtz Zentrum München

Starkes Übergewicht, auch Adipositas genannt, gilt heute als eigenständige Krankheit. Dazu kommt es, wenn über längere Zeiträume mit der Nahrung mehr Energie aufgenommen wird, als der Körper verbrauchen kann. Die Gesundheitsgefährdung durch Adipositas resultiert einerseits aus dem hohen Gewicht selbst, andererseits aber auch aus Störungen des Stoffwechsels. Diese können sich immer weiter hochschaukeln und sich zu einem Diabetes mellitus Typ-2 auswachsen.

Viele aktuelle Studien geben daher die Marschroute aus „Esst weniger und treibt mehr Sport“. In den meisten Fällen mag das tatsächlich stimmen, aber Forscher beschäftigen sich dennoch mit einem Paradoxon: Fast jeder  fünfte Stoffwechselkranke ist schlank. Doch was sind dann die Ursachen?

Das untersuchten die Forscherinnen und Forscher in der aktuellen Arbeit: Dazu analysierten sie die Daten von 981 Probanden und bestätigten, dass etwa 18 Prozent der schlanken Probanden einen geschädigten Stoffwechsel hatten. Die Betroffenen zeigten zwei und oder mehr Risiko-Parameter für ein Metabolisches Syndrom. Das waren beispielsweise abdominelle Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung mit Hypertriglyzeridämie und erniedrigtem HDL-Cholesterin, Insulinresistenz beziehungsweise eine gestörte Glukosetoleranz.

Hüftgold hält Schlanke gesund

In weiteren Experimenten untersuchte das Team bei diesen Probanden das Körperfett, die Fettverteilung und den Fettanteil in der Leber mithilfe von Magnetresonanz-Spektroskopie (MRT). Dabei zeigte sich, dass zahlreiche Betroffene nur wenig Fett an den Beinen speichern.

Die Wissenschaftler untersuchten zudem die Insulin-Empfindlichkeit, die Insulin-Sekretion, die Blutgefäße und die körperliche Fitness. Auch hier zeigten sich Auffälligkeiten. Allerdings sei bei Schlanken das fehlende Fett an den Beinen am stärksten mit einem Risiko für einen ungesunden Stoffwechsel assoziiert, so die Autoren. Man könne daher auch sagen, Hüftgold hält Schlanke gesund. Zum Vergleich: Bei Menschen mit Übergewicht sind eine nichtalkoholische Fettleber und ein erhöhter Bauchfettanteil die größten Risikofaktoren für eine Entgleisung des Stoffwechsels.

Die Studie zeigt also, dass die einfache Rechnung „Viel Sport und gesunde Ernährung schützen vor Diabetes“ nicht immer aufgeht. Das gilt übrigens auch für die verbreitete Annahme, Übergewicht sei lediglich auf mangelnde Disziplin zurückzuführen. Sie wird dem komplexen Problem nicht gerecht, was hier erwähnt, aber nicht diskutiert werden soll. Allerdings erhalten Sie einen anschaulichen Einblick, wie unser Hungergefühl gesteuert wird,  in unserem neuen Erklärvideo „Übergewicht und Jojo-Effekt: Der Leptin-Regelkreis“ aus unserer Video-Reihe „im Fokus“. Viel Spaß beim Anschauen!

 

Quelle:
Stefan, N. et al.: Causes, Characteristics, and Consequences of Metabolically Unhealthy Normal Weight in Humans. Cell Metabolism, 2017, DOI: 10.1016/j.cmet.2017.07.008


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