Adipositas-Forschung

Mehr braunes Fett als gedacht?

03. Mär 2017

Manche Menschen besitzen bis zu dreimal mehr braunes Fett als bisher vermutet. Diese überraschende Entdeckung machten Münchner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anhand von mehreren tausend Tomographie-Scans. Vor allem für Menschen mit Adipositas könnte das eine interessante Nachricht sein, denn: braunes Fett verbrennt deutlich mehr Energie als weißes.

Ärzte vor MRT

Im Steuerungsraum des MRT der Nuklearmedizinischen Abteilung des Klinikums Rechts der Isar der Technischen Universität München. Copyright: Astrid Eckert/TU Muenchen

Heutzutage leiden so viele Menschen an Übergewicht wie nie. Mit Ausmaß und Dauer steigt unter anderem die Gefahr, dass sich ein Typ-2-Diabetes entwickelt. Daher suchen Forscher nach Möglichkeiten für Patienten mit Adipositas, die Fettverbrennung zu stimulieren. Immer öfter rückt dabei das sogenannte braune Fettgewebe ins Zentrum der Adipositas-Forschung.

 

Es ist für die Wärmeentwicklung im Körper von Kleinkindern verantwortlich und verbraucht dazu große Mengen an Energie. Lange Zeit ging man davon aus, dass braunes Fettgewebe bei Erwachsenen eine untergeordnete Rolle für die Energiebilanz spielt. In den vergangenen Jahren belegten jedoch verschiedene Studien, dass braunes Fettgewebe auch bei Erwachsenen aktivierbar ist.

 

In der aktuellen Arbeit zeigen die Autoren nun, dass bei manchen Menschen der Anteil an braunem Fett deutlich höher ist als bisher angenommen. Das hatten sie anhand von 2854 PET-Scan-Bildern von 1644 Patientinnen und Patienten ermittelt. PET steht als Abkürzung für Positronen-Emissions-Tomographie, eine Methode, die oft in der Krebsmedizin eingesetzt wird. Mit ihrer Hilfe werden bestimmte Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar. Das kann man nutzen um Tumore aber eben auch aktives braunes Fett aufzuspüren.

 

Allerdings besitzen nicht alle Menschen gleich viel braunes Fett, wie die Studie zeigt, und es geht auch nicht um viele Pfunde: In der Gruppe mit der höchsten Aktivität an braunem Fettgewebe handelte es sich im Schnitt um etwa 300 Milliliter. Darüber hinaus ist es nicht immer gleich gut aktivierbar – nur rund fünf Prozent der Probanden hatten zum Zeitpunkt der Studie aktives braunes Fett. Darunter seien tendenziell eher Frauen und junge Menschen, so die Autoren. Wie es dazu kommt, dass manch eine oder einer besonders viel braunes Fett besitzt, wissen die Forscher bisher nicht. Allerdings zeigen sie in der aktuellen Arbeit, dass es einen Zusammenhang zwischen der Braunfett-Aktivität und Parametern der Nierenfunktion gibt, weitere Forschung sei hier aber notwendig.


Quellen:

Gerngroß, C. et al.: Active brown fat during 18FDG-PET/CT imaging defines a patient group with characteristic traits and an increased probability of brown fat redetection. In: Journal of Nuclear Medicine, 2017, doi: 10.2967/jnumed.116.183988


Technische Universität München: Der Mensch besitzt dreimal mehr braunes Körperfett. Pressemitteilung vom 1. März 2017


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