Erste Hürde zur Insulin-Impfung erfolgreich genommen

15. Mai 2015

Den ersten Schritt hin zu einer vorbeugenden Insulin-Impfung gegen Typ-1-Diabetes hat eine internationale Forschergruppe unter Beteiligung des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München erfolgreich vollzogen: Auswertungen der internationalen Pre-POINT-Studie deuten auf eine positive Immunreaktion bei Risikopersonen hin, die Insulin oral verabreicht bekamen. Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe des Magazins JAMA veröffentlicht. Im nächsten Schritt soll jetzt getestet werden, ob eine Insulin-Impfung den Ausbruch der Erkrankung dauerhaft verhindern kann.

Vorbeugende Insulin-Impfung gegen Typ-1-Diabetes Erfolg versprechend

© Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München

Wer Typ-1-Diabetes hat, muss sein Leben lang mehrmals am Tag Insulin spritzen. Bei dieser Autoimmunerkrankung zerstört das körpereigene Immunsystem in der Regel bereits im Kindesalter die Insulin produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse.

In der Pre-POINT-Studie wurden Kinder mit einem hohen Erkrankungsrisiko für Typ-1-Diabetes in Deutschland, Österreich, in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien durchschnittlich ein halbes Jahr einmal täglich mit oralem Insulin behandelt. Die Kontrollgruppe erhielt nur ein wirkungsloses Placebo. Die Gruppe mit dem Wirkstoff nahm das Insulin in unterschiedlicher, im Laufe der Monate ansteigender Dosis, als Pulver zusammen mit der Nahrung ein. In der höchsten Dosis (67,5 mg) rief das Insulinpulver schließlich die gewünschte Immunantwort hervor. „Ein wichtiger Befund war zu sehen, dass es keine unerwünschten Nebenwirkungen gab“, kommentiert Studienleiter Prof. Ezio Bonifacio vom DFG Center for Regenerative Therapies an der TU Dresden das Ergebnis. „Das zeigt, dass wir die regulären Vorgänge, die im Körper eines gesunden Kindes eine Typ-1-Diabetes-Erkrankung verhindern, erfolgreich nachgeahmt haben.“ Da das Insulin in dieser Verabreichungsform im Magen aufgespalten wird, hatte es keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. „Wir vermuten, dass der Hauptanteil der Immunantwort auf das Insulin bereits im Mund abläuft“, ergänzt Bonifacio.

Einzigartig ist bei dieser Doppelblindstudie nach Ansicht von Prof. Anette-Gabriele Ziegler vom Institut für Diabetesforschung, dass das Insulin prophylaktisch als Impfstoff zu einem Zeitpunkt verabreicht wurde, an dem die Kinder noch keine Autoimmunreaktion – das heißt noch keine Autoantikörper – entwickelt hatten.

In nachfolgenden Studien soll nun eine größere Anzahl von Babys, die Typ-1-Diabetes-Risikogene und erkrankte Verwandte und somit ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben, mit Insulin behandelt werden. Sollte der Impfstoff die Autoimmunerkrankung dauerhaft verhindern, wäre der Weg frei für eine flächendeckende Vorsorgeimpfung.

Quellen:

Bonifacio, E. et al. (2015): Effects of High-Dose Oral Insulin on Immune Responses in Children at High Risk for Type 1 Diabetes. The Pre-POINT Randomized Clinical Trial. In: JAMA, 2015; 313(15):1-10. doi:10.1001/jama.2015.2928

Helmholtz Zentrum München: Typ-1-Diabetes: Erste Hürde zur Insulin-Impfung erfolgreich genommen. – Pressemitteilung vom 21.04.2015


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