Diabetes und Augen

Erblindungsrisiko in Süddeutschland gesunken

03. Apr 2018

Ein Diabetes mellitus kann häufig Folgeerkrankungen an den Augen nach sich ziehen, die bis zum Erblinden reichen können. Forscherinnen und Forscher des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) haben nun am Beispiel Baden-Württemberg gezeigt, dass das Risiko dafür rückläufig ist. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift ‚Diabetes Care‘ veröffentlicht.

© Kalinovsky Dmitr/Fotolia

Diabetes kann die Netzhaut (Retina) und die kleinsten Arterien in den Augen schädigen. Die Veränderungen werden anfänglich nicht bemerkt, können im Verlauf jedoch zu leichten Sehbeschwerden bis hin zur Erblindung führen. Vor allem die diabetische Retinopathie und die Makulopathie sind hier zu nennen. Seit Anfang der 1990er Jahre wurden die Maßnahmen verstärkt, um die Anzahl an Erblindungen bei Personen mit Diabetes zu verringern. Dazu gehört etwa eine regelmäßige Untersuchung des Augenhintergrundes.

Um ein Bild der aktuellen Situation zu bekommen, haben die Autoren der aktuellen Arbeit am Beispiel Baden-Württemberg die Neuerblindungen bei Menschen mit und ohne Diabetes untersucht. Dazu kooperierten sie mit dem Landesgesundheitsamt und den örtlichen Sozialhilfeträgern Baden-Württembergs.

Erfasst wurden neu anerkannte Blindengeldempfänger in etwa 50 Prozent aller Landkreise und kreisfreien Städte in Baden-Württemberg im Zeitraum 2008-2012. Insgesamt waren das 1.897 Personen - davon hatten knapp 24 Prozent einen diagnostizierten Diabetes.

Neuerblindungen bei Menschen mit Diabetes annähernd halbiert

Zwischen 2008 und 2012 ging die Zahl der Neuerblindungen bei bestehendem Diabetes zurück: Von 100.000 Personen mit Diabetes erblindeten in 2008 rund 17 Personen, während es in 2012 nur noch rund neun Personen waren. Ebenso wurde erstmals eine Abnahme der Zahl der neu als Blindengeldempfänger registrierten Personen ohne Diabetes festgestellt: Von 100.000 Personen ohne Diabetes waren das im Jahr 2008 rund neun, im Jahr 2012 rund sieben. Geschlechterspezifische Unterschiede fielen den Autoren zufolge nicht auf. Das relative Risiko, welches angibt, wie viel höher das Erblindungsrisiko in der Bevölkerung mit Diabetes im Vergleich zur Bevölkerung ohne Diabetes ist, sank von Faktor 2 im Jahr 2008 auf den Faktor 1,4 in 2012.

Zusammenfassend lässt sich ableiten, dass das Erblindungsrisiko in Baden-Württemberg mit sowie ohne Diabetes deutlich abgenommen hat. Der beobachtete Rückgang besteht dabei unabhängig von der Alterung der Bevölkerung. Daher vermuten die Wissenschaftler, dass dieser Trend auf eine bessere Vorsorge gegen diabetische Retinopathie sowie auf das frühere Identifizieren und Behandeln anderer Augenerkrankungen wie Katarakt, Glaukom und der senilen Makula-Degeneration zurückzuführen ist.

Ob die Ergebnisse auch auf anderen Regionen Deutschlands übertragbar sind, wird eine derzeit laufende entsprechende Auswertung für Daten aus Sachsen für den Zeitraum 2008-2016 zeigen.

Quellen:
Claessen, H. et al.: Decreasing incidence of blindness in people with and without diabetes in southern Germany, 2008–2012. In: Diabetes Care, 2018, DOI: 10.2337/dc17-2031

Deutsches Diabetes-Zentrum Düsseldorf: Baden-Württemberg: Erblindungsrisiko bei Menschen mit und ohne Diabetes deutlich gesunken. Pressemitteilung vom 27. März 2018


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