Diabetes und Gefäße

Entzündete Leber hebt Cholesterinspiegel

11. Aug 2017

Warum haben manche Menschen mit Diabetes ein erhöhtes Risiko für Folgeschäden, obwohl der Blutzucker gut eingestellt ist? Eine aktuelle Studie in ‚Cell Reports‘ stellt einen neuen Mechanismus vor, wonach Entzündungsvorgänge in der Leber den Cholesterinspiegel heben und Herz- und Kreislauferkrankungen begünstigen könnten.

Leber

© Sebastian Kaulitzki/Fotolia

Die Standard-Therapie bei Diabetes mellitus zielt auf eine möglichst genaue und langfristige Einstellung des Blutzuckerspiegels. Aber auch wenn der Blutzucker gut eingestellt ist, haben manche Betroffenen ein höheres Risiko für Folgeschäden. Unter den Folgeerkrankungen bei Menschen mit Diabetes spielen Gefäßkrankheiten eine zentrale Rolle. Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems sind mit 75 Prozent die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen und mit 50 Prozent eine häufige Todesursache. Ein wichtiger Risikofaktor für Atherosklerose, Durchblutungsstörungen und Gefäßkomplikationen ist ein erhöhter Cholesterinwert.

Die Autorinnen und Autoren der aktuellen Arbeit wollten verstehen, wie solche Folgeschäden trotz guter Blutzuckerwerte zustande kommen können. Die Forschenden hatten vor allem Entzündungsprozesse im Verdacht, von denen bekannt ist, dass sie bei Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes und Adipositas vorkommen und wesentlich zu deren Langzeitfolgen beitragen.

Im Rahmen der Studie fanden sie heraus, dass ein bestimmter Entzündungsbotenstoff in der Leber dazu führt, dass ein wichtiges Schlüsselmolekül namens GAbp zerfällt. Weitere Experimente ergaben, dass GAbp dadurch seine Funktion nicht mehr wahrnehmen kann und sich in der Folge überschüssiges Cholesterin bildet. Entsprechend prägten sich im Tiermodell typische Merkmale für Atherosklerose aus, darunter eine sogenannte Hypercholesterinämie (eine Lipidstoffwechselstörung, die durch einen erhöhten Cholesterinspiegel im Blut gekennzeichnet ist) und vermehrte Fettablagerung in den Arterien.

Die Ergebnisse legen also nahe, dass GAbp eine wichtige molekulare Stellschraube an der Schnittstelle zwischen Entzündung, Cholesterinhaushalt und Atherosklerose ist. Laut den Wissenschaftlern unterstützen erste Patientendaten diese Befunde auch im Menschen. Weitere Studien zu dem Thema würden aber notwendig sein, um die Hypothese zu beweisen.

Sollte sich der Mechanismus auch im Menschen wiederfinden, wäre klar, dass die Leber für die Entstehung häufiger diabetischer Gefäßerkrankungen eine zentrale Rolle spielt. Entsprechend müssten dann therapeutische Konzepte folgen, aber bis dahin wird noch Zeit vergehen.


Quellen:
Niopek, K. et al.: A Hepatic GAbp-AMPK Axis Links Inflammatory Signaling to Systemic Vascular Damage. Cell Reports, 2017, DOI: 10.1016/j.celrep.2017.07.023

Helmholtz Zentrum München: Folgeschäden bei Diabetes: entzündete Leber hebt Cholesterinspiegel. Pressemitteilung vom 10. August 2017


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