Diabetestherapie: Wer bleibt warum treu oder nicht treu?

25. Aug 2015

Je nach Alter, Geschlecht, Ausbildung und Einkommen bleiben Menschen mit Diabetes ihrer Therapie mehr oder weniger treu. Zu teils überraschenden Erkenntnissen kommt ein US-amerikanisches Wissenschaftlerteam bei der Auswertung von über 200.000 Daten einer Apothekerdatenbank. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Diabetes Care veröffentlicht.

Foto:© maya/fotolia

Ob man in Folge des Diabetes weitere Erkrankungen entwickelt oder nicht, hängt zu einem guten Teil auch davon ab, ob man seine Therapie treu einhält. Denn eine gute Behandlung mit Medikamenten bringt in der Regel einen günstigeren Krankheitsverlauf mit sich. Zudem reduzieren sich im Gesundheitswesen Kosten für Folgeerkrankungen,  Krankenhausaufenthalte lassen sich mit einer konsequenten medikamentösen Diabetestherapie reduzieren sowie die persönliche Lebensdauer erhöhen.

Die US-Wissenschaftler zogen für ihre Auswertung die Angaben von über 200.000 Patienten heran, die in den Jahren 2010 und 2011 eine nicht-insulinpflichtige Therapie erhalten hatten. Für die Angabe der Therapietreue bedienten  sie sich eines wissenschaftlichen Modells (Medication-Possession-Ratio, MPR), das errechnet, wie exakt sich Patienten in der regelmäßigen Anwendung an das verschriebene Dosierungsschema halten.

Je älter desto treuer folgen die Patienten den Therapievorgaben
Insgesamt betrachtet sind 69 Prozent der Patienten ihrer Therapie treu. Die erste Überraschung bei der Auswertung der Daten bot sich den Wissenschaftlern mit dem Faktor „Alter“:  Entgegen der bisherigen Erkenntnisse aus anderen Krankheitsbildern nehmen insbesondere ältere Patienten über 65 Jahre ihre Medikamente konsequenter ein als jüngere Patienten, Männer sind zudem therapietreuer als Frauen. Wenig überraschend war dagegen die Erkenntnis, dass Patienten mit höherem Bildungsstatus und Einkommen der Therapie besser folgen als weniger gut ausgebildete Patienten mit geringerem Einkommen.

Wichtig: Akzeptanz und Verständnis für die chronische Erkrankung
Ein weiterer Faktor, der die Therapietreue beeinflusst, ist zudem die Dauer der Erkrankung: Neu diagnostizierte Patienten mit Diabetes sind weniger konsequent in ihrem Therapieverhalten als Menschen, die die Erkrankung schon länger haben. Die Wissenschaftler mutmaßen, dass der „gesunde“ Patient – jung, frisch diagnostiziert und demnach noch ohne größere direkte Auswirkungen auf sein Leben – eine geringere Akzeptanz und entsprechend geringere Therapietreue aufweist. In wieweit die Patienten ihre chronische Erkrankung mit all ihren Konsequenzen ernst nehmen, könnte in puncto Therapietreue daher eine größere Rolle spielen als bisher gedacht.


Quellen:

Kirman, M.: Determinants of Adherence to Diabetes Medications: Findings From a Large Pharmacy Claims Database. In: Diabetes Care 2015, 38:604-609

Jecht, M.: Die Therapietreue beeinflussenden Faktoren bei der Einnahme von Diabetesmedikamenten. In: Diabetologe 2015, 11:329-330


Weitere Informationen:

Diabetes: Motivation und Selbstmanagement 
Schulungsangebote – Vom Wissen zum Handeln

 

 


zum Seitenanfang
Druckversion

Wir verwenden Cookies um Ihnen den Besuch der Webseite so angenehm wie möglich zu machen. Wir benötigen Cookies um die Dienste ständig zu verbessern, bestimmte Features zu ermöglichen und wenn wir Dienste bzw. Inhalte Dritter einbetten, wie beispielsweise den Videoplayer. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Wir verwenden unterschiedliche Arten von Cookies. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Cookie-Einstellungen zu personalisieren:

Einstellung anzeigen.
In unserer Datenschutzerklärung finden Sie weitere Informationen.

Dort können Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern.