Ernährungsforschung

Der Einfluss der Mitmenschen auf unser Konsumverhalten

14. Mai 2019

Der Blick des Gegenübers beeinflusst die Nahrungsauswahl. So wird einem Lebensmittel mehr Wert beigemessen, wenn es zuvor von einer anderen Person angesehen wurde. Das hat ein Forscherteam herausgefunden und die Ergebnisse der Studie im Fachjournal "Scientific Reports" veröffentlicht.

Mann mit Kind und Einkaufswagen im Supermarkt

© Kzenon / Fotolia

Beim Onlinekauf legen viele Konsumentinnen und Konsumenten viel Wert darauf, welche Bewertungen ein Produkt von anderen Käufern bekommen hat. So beeinflussen die Meinungen anderer die Entscheidungen der oder des Einzelnen maßgeblich.

Um herauszufinden, ob auch subtile soziale Informationen wie die Blicke anderer Menschen Konsumentscheidungen beeinflussen können, zeichnete ein Forscherteam die Augenbewegungen von Probandinnen und Probanden mit einem Eyetracker auf. Nachdem sie verschiedene Lebensmittel gezeigt bekamen, sollten die Teilnehmenden mitteilen, wie viel Geld sie dafür jeweils ausgeben würden. Auf diese Weise konnten die Forschenden den persönlichen Wert für jedes Produkt einschätzen.

Mehr Geld für vielbeachtete Lebensmittel

Danach wurden die Lebensmittel wiederholt zusammen mit Gesichtern gezeigt, die entweder das Produkt ansahen oder es ignorierten. Zum Schluss gaben die Teilnehmenden erneut an, wie viel sie nun bereit waren, für die jeweiligen Produkte zu bezahlen. Das Ergebnis: Wenn die Lebensmittel gemeinsam mit Gesichtern gezeigt wurden, die auf das Produkt schauten, waren die Probanden bereit, mehr Geld dafür auszugeben. Andererseits wollten sie weniger Geld für ein Produkt ausgeben, welches ignoriert wurde, fassen die Autoren zusammen.

Mit gutem Vorbild voran

Die Studie zeigt, dass der Wert von Essen nicht nur durch das Aussehen oder den Geschmack beeinflusst wird, sondern auch durch die Blicke von anderen Personen. Diese Erkenntnis könnte bedeutsam für die Erforschung der Rolle von Vorbildfunktionen für ein gesundheitsförderliches Essverhalten sein: Es ist naheliegend, dass die Reaktion von Eltern auf bestimmte – gesunde oder ungesunde – Nahrungsmittel, deren Wert in den Augen ihrer Kinder ändert.

Die Befunde gäben klare Hinweise darauf, wie Konsumentscheidungen entstehen und gesteuert werden. Soziale Informationen, wie beispielsweise die Blicke anderer Menschen, könnten künftig effektiv eingesetzt werden, um das Essverhalten hingehend zu einer gesundheitsförderlichen Ernährungsweise zu verbessern, so die Studienleiterin.


Quellen:

Madipakkam, A.R. et al.: The influence of gaze direction on food preferences. Scientific Reports, 2019, 9:5604

Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE): Lebensmittelpräferenzen fest im Blick. Pressemitteilung vom 8.4.2019 


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