Blutzucker messen ohne Pieksen – eine Revolution?

14. Apr 2015

Erste Erfahrungswerte mit dem neuen Flash Glucose Messsystem (FGM) lassen hoffen, dass sich Menschen mit Diabetes bald für immer von dem täglichen Pieksen verabschieden können. Wissenschaftlich fundierte Ergebnisse zweier großer Studien werden allerdings erst für die zweite Jahreshälfte erwartet.

Blutzuckermessgerät zum Pieksen an der Fingerkuppe, neues Flash Glukose-Messsystem ohne Pieksen auf dem Markt

Bild: fotolia

Die meisten haben zumindest schon davon gehört: Es gibt seit kurzem ein neues Messsystem zur Kontrolle des Zuckerwerts, welches das lästige Pieksen überflüssig macht: das sogenannte Flash-Glukose-Monitoring. Dabei misst und speichert ein Sensor, der auf der Haut am Oberarm fixiert wird, regelmäßig Glukosewerte. Allerdings nicht den Blutglukose-Wert wie beim Pieksen in die Fingerkuppe, sondern Gewebe-Glukosewerte im Zwischenzellraum des Unterhaut-Fettgewebes.
Die Daten werden im Sensor bis zu acht Stunden gespeichert und können von dort über ein Lesegerät ausgelesen werden. Im Gegensatz zu kontinuierlichen Glukosemesssystemen (CGM) zeigt der Sensor den Glukosewert also nicht dauerhaft an, sondern nur dann, wenn die Nutzer das wissen möchten und sie mit dem Lesegerät über den Sensor scannen. Die Nutzungsdauer eines Sensors liegt bei 14 Tagen.

Nach anfänglichen Lieferschwierigkeiten sind die Geräte derzeit wieder verfügbar, es gibt allerdings lange Wartelisten. Die Kassen haben das Verfahren noch nicht in ihre Regelversorgung übernommen, erste Vertreter übernehmen aber bereits Kosten als freiwillige Leistung – noch mit verschiedenen Einschränkungen, so etwa zunächst nur für Patienten die eine intensivierte Insulintherapie benötigen und am stärksten unter dem ständigen Pieksen bei der Blutzuckermessung leiden. Eine andere Kasse übernimmt die Kosten des Lesegeräts und gibt auf die Sensoren einen Kostenzuschuss.

Die bisherigen Erfahrungen der Nutzer sind positiv und klingen vielversprechend. Im Rahmen eines umfassenden Studienprogramms an zahlreichen europäischen Studienzentren laufen derzeit noch eine Reihe von Studien zum medizinischen Nutzen, zur Verträglichkeit und Patientenzufriedenheit. Erste Ergebnisse werden für die zweite Jahreshälfte erwartet.

Quellen und weiterführende Informationen:

Diabetes-online:  FGM: Erste Kassen übernehmen die Kosten. – 07. April 2015

 

Deutsche Diabetes Gesellschaft und Arbeitsgemeinschaft für Diabetologische Technologie: Stellungnahme zu Flash Glucose Monitoring. Januar 2015

 

Diabetes-Journal: Interview mit Prof. Thomas Haak, Bad Mergentheim, über das Flash Glucose Monitoring. 

 

Diabsite: CGM und Flash Glucose Monitoring – die einzigen Alternativen zur Blutzuckermessung. 

Onmeda.de: Kassen zahlen Blutzuckermessung mit Freestyle Libre (10. April 2015)

 

 


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