Früherkennung

Bessere Diagnostik bei Schwangerschaftsdiabetes?

31. Mär 2017

Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes genannt, zählt zu den häufigsten Komplikationen, die während einer Schwangerschaft auftreten können. Unerkannt und unbehandelt birgt die Erkrankung große Risiken für Mutter und Kind. Ist zur Früherkennung die derzeit übliche Diagnostik ausreichend, die den Müttern zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche angeboten wird? Expertinnen und Experten der DDG fordern präzisere Tests in der frauenärztlichen Routine.

Bessere Diagnostik bei Schwangerschaftsdiabetes? © Mediterraneo/fotolia.com

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In der zweiten Schwangerschaftshälfte werden Hormone ausgeschüttet, die die Wirkung von Insulin beeinträchtigen. Die Betazellen in der Bauchspeicheldrüse können sich den erhöhten Stoffwechselanforderungen anpassen und reagieren darauf mit einer bis um das Vierfache vermehrten Ausschüttung von Insulin im Vergleich zur regulären Menge.  Wenn der Körper nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Insulin zu produzieren, steigt der Blutzuckerspiegel an und es entwickelt sich ein Schwangerschaftsdiabetes. Aufgrund des immer höheren Alters der Mütter und des steigenden Körpergewichts bereits vor der Schwangerschaft nimmt die Häufigkeit der Stoffwechselstörung seit einigen Jahren zu.

Zweistufige Diagnostik als Kassenleistung

Die sogenannte Mutterschaftsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses sieht zur Diagnostik im ersten Schritt einen Tests vor, der im nicht-nüchternen Zustand durchgeführt wird: die Schwangere muss dazu eine Zuckerlösung mit 50 Gramm Glukose trinken. Eine Stunde später wird der Blutzuckerwert gemessen. Liegt dieser über 135 mg/dl besteht der Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes und ein zweiter, genauerer Test wird angesetzt. 

Für diesen oralen Glukosetoleranztest kommt die Schwangere morgens nüchtern in die Praxis und der Nüchternblutzuckerwert wird gemessen. Dann trinkt sie eine Lösung mit 75 Gramm Glukose und der Anstieg des Blutzuckers wird nach einer sowie nach zwei Stunden gemessen.

In einer aktuellen Pressemitteilung kritisiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft das zweistufige Vorgehen.  Aus einer weltweiten Studie mit 25 000 Schwangeren sei bekannt, dass bei fast jeder dritten Betroffenen mit Schwangerschaftsdiabetes nur der Nüchternblutzucker erhöht ist, so die Experten. Dieser werde jedoch beim üblichen 50-Gramm-Test gar nicht gemessen.  Es sei also effektiver und für die Schwangeren weniger belastend, wenn gleich der präzisere orale Glukosetoleranz-Test durchgeführt werden würde. Die Zusatzkosten lägen im Bereich weniger Euro im Vergleich zum 50-Gramm-Test und seien damit relativ gering. Dafür würden zusätzliche Arztbesuche wegfallen, die durch den zweistufigen Test notwendig werden.

Erhöhtes Typ-2-Diabetes Risiko für Mutter und Kind

Schwangerschaftsdiabetes erhöht das Risiko für eine Frühgeburt und für die Entwicklung einer sogenannten Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie). Dabei entwickelt die werdende Mutter  Bluthochdruck und scheidet vermehrt Eiweiß mit dem Urin aus. Auch Harnwegsinfekte sind häufiger aufgrund der erhöhten Zuckerkonzentration im Urin. Mehr als 50 Prozent der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes entwickeln innerhalb von acht Jahren nach der Entbindung einen ausgeprägten Typ-2-Diabetes.

Die Kinder kommen häufig mit erhöhtem Geburtsgewicht zur Welt und haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes im weiteren Leben. Sie werden bereits im Mutterleib auf eine erhöhte Insulinsekretion geprägt. Im Rahmen der Typ-2-Diabetes-Prävention ist die Früherkennung und effektive Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes damit in doppelter Hinsicht relevant.

Quelle:

Deutsche Diabetes Gesellschaft: Warum nicht gleich der zuverlässige Test? DDG rät zum Glukosetoleranztest bei Risikoschwangerschaften. Pressemitteilung vom 13.03.2017 (letzter Abruf: 31.03.2017)


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