Ernährungsforschung

Beim Gemüse flunkern wird schwieriger

05. Mai 2017

Um die Ballaststoffaufnahme von Studienteilnehmern abzuschätzen, waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bislang auf deren Selbstauskünfte angewiesen. Nun haben deutsche Forscher eine Möglichkeit gefunden, die Aufnahme von Ballaststoffen anhand von Fettsäuren im Blut zu bestimmen. Die Entdeckung könnte künftig helfen, die Aussagekraft von Ernährungsstudien sowie individuelle Ernährungsempfehlungen zu verbessern.

Obst und Gemüse

Quelle: Fotolia/monticellllo

Der Begriff Ballaststoffe bezeichnet verschiedene Kohlenhydrate, die ausschließlich in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen. Sie entziehen sich der Verdauung des Körpers, werden aber im Dickdarm teilweise oder vollständig durch Darmbakterien abgebaut. Sie verbessern die Verdauung, fördern die Bewegung des Darmes und verkürzen die Zeit der Nahrung im Körper. Zudem sind sie wichtiger Nahrungsbaustein der Darmflora. Obwohl Ergebnisse von Langzeit-Beobachtungsstudien annehmen lassen, dass Menschen ihr Typ-2-Diabetes-Risiko verringern, wenn sie ausreichend Ballaststoffe verzehren, erreichen nur wenige Menschen die empfohlene Aufnahmemenge von 30 g pro Tag (Deutsche Gesellschaft für Ernährung).

Wie genau Ballaststoffe das Risiko für Diabetes senken, ist allerdings noch immer Gegenstand der Forschung. In der aktuellen Arbeit untersuchten Wissenschaftler nun, ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem Ballaststoffverzehr und zwei bestimmten Fettsäuren im Blut besteht, von denen bekannt ist, dass sie mit einem niedrigeren Diabetesrisiko verbunden sind. Dazu untersuchten sie insgesamt zehn gesunde Frauen und sechs gesunde Männer: Für jeweils sieben Tage erhielten diese zusätzlich zu ihrer normalen Kost täglich 30 Gramm verschiedener Ballaststoffe. Vor und nach der Nahrungsergänzung bestimmten die Forscher die Fettsäurespiegel im Blut der Teilnehmer. Dabei zeigte, sich, dass Inulin (ein sogenannter löslicher Ballaststoff aus Pflanzen wie Topinambur oder Artischocken) die Werte der besagten Fettsäuren um elf bzw. 17 Prozent erhöhte.

Das ist vor allem deshalb interessant, weil man bislang davon ausging, dass der Mensch diese Fettsäuren nicht selbst bilden kann und mit der Nahrung, aufnehmen muss. Vorherige Studien an Nagern ließen die Autoren jedoch vermuten, die besagten Fettsäuren auch in der Leber gebildet werden können – und zwar aus der Vorstufe Propionat, die beim Abbau löslicher Ballaststoffe durch Bakterien im Darm entsteht. In Zellkulturexperimenten an Leberzellen konnten die Wissenschaftler tatsächlich nachweisen, dass das möglich ist.

Entsprechend beobachteten die Forscher, dass bei den Probanden auch täglich sechs Gramm Propionat (also der Vorstufe) als Nahrungsergänzung die Häufigkeit der beiden Fettsäuren im Blut um jeweils 13 Prozent erhöhte. Zusammengefasst zeige die Studie also, dass auch der Mensch in der Lage ist, die schützenden Fettsäuren aus ihrer Vorstufe Propionat zu bilden, welches durch Ballaststoffabbau im Darm entsteht, so die Autoren.

Darüber hinaus hoffen die Wissenschaftler, dass man die Blutwerte der beiden Fettsäuren künftig als Biomarker nutzen kann, um den Verzehr löslicher Ballaststoffe mengenmäßig zu bestimmen. Da man dann nicht mehr auf die oftmals fehlerbehafteten Selbstauskünfte der Studienteilnehmer angewiesen sei, könne das die Aussagekraft künftiger Ernährungsstudien erhöhen und somit auch zu einer größeren Akzeptanz der Ergebnisse beitragen. Die Zahl der Studienteilnehmer ist vergleichsweise niedrig. Das Projekt ist auch im Deutschen Register Klinischer Studien (DRKS) hinterlegt.

Quellen:
Weitkunat, K. et al.: Odd-chain fatty acids as a biomarker for dietary fiber intake: a novel pathway for endogenous production from propionate. In: The American Journal of Clinical Nutrition, 2017, DOI: 10.3945/ajcn.117.152702

Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke: Fettsäuren im Blut geben Auskunft über die Höhe des Ballaststoffverzehrs. Pressemitteilung vom 2. Mai 2017


zum Seitenanfang
Druckversion