Diabetes-Diagnostik

Ausgeschlafene zeigen bessere Testergebnisse

07. Feb 2017

Nicht nur nüchtern, sondern auch ausgeschlafen sollte man vor einem oralen Glukosetoleranztest sein, sonst könnte es zu erhöhten Werten und eventuell zu einem unbegründeten Diabetesverdacht kommen. Denn verkürzter Schlaf mindert die Insulinsensitivität der Körperzellen. Dem Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Blutzuckerwerten ging ein US-amerikanisches Forscherteam nach und veröffentlichte die Studienergebnisse im ‚American Journal of Medicine‘.

Ausgeschlafene zeigen bessere Testergebnisse

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Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten den Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c von über 1.500 stoffwechselgesunden Erwachsenen im Alter von durchschnittlich 50 Jahren. Zudem beantworteten die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer Fragen zu ihrem Schlafverhalten. Ergebnis: je kürzer die übliche Schlafdauer, desto höher war die Wahrscheinlichkeit für einen erhöhten HbA1c Wert. Der Zusammenhang zeigte sich ab einer nächtlichen Schlafdauer von weniger als sieben Stunden.

Speziell interessierten sich die Forscher jedoch für die kurzfristigen Auswirkungen von Schlafmangel auf den Zuckerstoffwechsel. Probanden, deren HbA1c unterhalb eines Schwellenwertes von sechs Prozent lag,  unterzogen sich einem oralen Glukosetoleranztest (oGTT). Dazu tranken sie nüchtern eine Glukoselösung mit einer definierten Zuckermenge (75 mg). Nach zwei Stunden wurde ihr Plasma-Glukosespiegel gemessen. Als Grenzwert setzen die Wissenschaftler in dieser Studie 140 mg/dl fest.

Hier zeigte sich auch bei Probanden, die immer relativ kurz schliefen und einen HbA1c im Normbereich hatten, ein signifikanter Zusammenhang mit der Dauer der Nachtruhe: schliefen sie in den zwei Nächten vor dem oGTT in der Summe nicht mehr als elf Stunden, war das Risiko für eine erhöhte Zwei-Stunden-Glukose-Konzentration über 140 mg/dl nahezu verdoppelt. Schlafmangel vermindert die Fähigkeit der Körperzellen, auf Insulin anzusprechen – dies ist bereits aus früheren Studien bekannt. Glukose kann somit nicht vollständig in die Zellen aufgenommen werden und der Blutzuckerspiegel ist erhöht. Sogar eine halbe Stunde mehr oder weniger Schlaf macht für das Blutzuckerprofil einen Unterschied.

Bei stoffwechselgesunden Menschen ist dieses Phänomen unproblematisch, da sich der Glukosehaushalt von selbst wieder reguliert. Plant man jedoch einen oralen Glukosetoleranztest, um einen Verdacht auf Typ-2-Diabetes auszuschließen oder zu bestätigen, kann dies entscheidend sein. Die Autoren der Studie ziehen die Schlussfolgerung, dass der Arzt oder die Ärztin bei der Durchführung eines oGTT nicht nur auf die nötige Nüchternheit hinweisen sollte, sondern auch auf genügend Schlaf in den Nächten vor dem Test.


Quellen:

Bliwise, D.L., et al.: Habitual and Recent Sleep Durations: Graded and Interactive Risk for Impaired Glycemic Control in a Biracial Population. In: Am. J. Med., 2017, published online January, 05.


Aerztezeitung.de: Falsche Blutzuckerdaten: Nur ausgeschlafen zum Glukosetest. Artikel vom 25.01.2017 (Letzter Abruf: 06.02.2017)


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