Mikrobiom-Forschung

Antibiotika: wie beeinflussen sie die Darmflora?

13. Nov 2018

Eine Behandlung mit Antibiotika zerstört nicht nur die Krankheitserreger. Auch nützliche Bakterien der Darmflora gehen kaputt. Neue Einsichten in die Wiederbesiedelung des Darms und die Veränderung der Darmflora nach Antibiotikagabe wurden aktuell im Fachblatt ‚Nature Microbiology‘ veröffentlicht.

Bakterien, Darmflora

© Alex / Fotolia

Der Darm beherbergt eine Vielzahl von unterschiedlichen Bakterienarten. Ihre Gesamtheit bezeichnet man als Darm-Mikrobiom. Fast alle Mitbewohner des Mikrobioms erweisen sich als sehr nützlich: Sie helfen Nahrung zu verdauen, produzieren Vitamine und trainieren das Immunsystem. Außerdem halten sie Krankheitserreger fern.

Gerät das Gleichgewicht des Darm-Mikrobioms durcheinander, können verschiedene Erkrankungen die Folge sein:

  • Infektionen
  • entzündliche oder neurologische Erkrankungen
  • Übergewicht
  • Typ-2-Diabetes 

Im Rahmen einer kleinen Studie nahmen zwölf freiwillige, gesunde Männer über vier Tage hinweg eine Mischung aus drei verschiedenen Antibiotika ein: Meropenem, Gentamicin und Vancomycin, eine Mischung , die in der ärztlichen Praxis erst dann eingesetzt wird, wenn gängigere Antibiotika nicht mehr wirken.

Die Ergebnisse:

  • Trotz der starken Antibiotika wird der Darm nicht völlig steril. Einige Bakterienarten bleiben erhalten.
  • Andere Keime verwandeln sich in Sporen. In diesem Zustand können sie schlechte Bedingungen jahrelang überdauern und dann wieder aktiv werden.
  • Die anschließende Wiederbesiedelung des Darmes erfolgt stufenweise: im ersten Schritt erscheinen Bakterien mit krankmachenden Eigenschaften. Dies könnte erklären, warum Antibiotika häufig Magen Darm-Störungen hervorrufen, so die Forschenden.
  • Innerhalb von sechs Monaten normalisiert sich die Darmbesiedelung wieder: nützliche, milchsäureproduzierende Bifidobakterien verdrängen die Krankmacher. Einige empfindliche Bakterienarten verschwinden dauerhaft. Langfristig setzen sich die Bakterien durch, die mehr Resistenz-Gene aufweisen.

Zukünftig möchten die Wissenschaftler noch mehr Erkenntnisse darüber gewinnen, ob eine geringere Artenvielfalt der Darmflora nach Antibiotika-Gabe das Risiko für Übergewicht und Diabetes erhöht.

Insgesamt zeigt die Studie nach Ansicht der Wissenschaftler schon jetzt, wie wichtig es ist, Antibiotika nur mit Bedacht zu verabreichen.

Quellen:

Palleja, A. et al.: Recovery of gut microbiota of healthy adults following antibiotic exposure. In: Nature Microbiology, 2018, doi: 10.1038/s41564-018-0257-9

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC): Regeneration im Verdauungstrakt. Pressemitteilung vom 06.11.2018


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