Metformin & Syrosingopin

Alte Wirkstoffe in neuer Mission

03. Jan 2017

Das Diabetesmedikament Metformin senkt nicht nur den Blutzucker, sondern hemmt auch das Wachstum von Krebszellen – allerdings war der Effekt mit der gut verträglichen Dosis bisher nur schwach. Schweizer Forscher suchten nach einer Substanz, die die krebshemmende Wirkung von Metformin verstärkt – und wurden fündig, wie das Journal `Science Advances` berichtet.

Alte Wirkstoffe auf neuer Mission

© nikesidoroff - Fotolia.com

Metformin ist meist das erste Mittel der Wahl für Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes. Es senkt den Blutzuckerspiegel, indem es die Körpergewebe für die Insulinwirkung empfindlicher macht. Zusätzlich hemmt es die Neubildung von Zucker in der Leber.

Das Medikament ist altbekannt, der Wirkmechanismus jedoch noch nicht restlos aufgeklärt. Forschungsergebnisse zeigen, dass Metformin den Energiestoffwechsel in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Körperzellen, beeinträchtigt. Diese Eigenschaft macht den Wirkstoff auch für die Krebsforschung interessant. Krebszellen benötigen mehr Energie als gesunde Körperzellen, um ihre Fähigkeit zur ungehemmten Teilung durchsetzen zu können. In der gut verträglichen Dosis von Metformin ist die krebshemmende Wirkung jedoch zu schwach für klinische Erfolge. Zu hoch dosiert führt Metformin allerdings zu starken Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen.

Lässt sich der Effekt von Metformin auf Tumorzellen durch eine Kombination mit einem zweiten Wirkstoff erhöhen? Dies war die Frage, der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Basel in einem gezielten Screening von über 1.000 Substanzen nachgingen – und sie stießen auf einen vielversprechenden Kandidaten: Syrosingopin entstammt der indischen Schlangenwurzel Rauvolfia serpentina und wurde früher gegen Bluthochdruck und als Neuroleptikum eingesetzt. Im Modellversuch machte es die Krebszellen empfindlicher für die Wirkung von Metformin. In Kombination zeigten die beiden Stoffe eine effektivere krebshemmende Wirkung als jede Substanz für sich alleine und sind dabei beide relativ gut verträglich.

In Proben von Leukämie-Patienten konnten durch die neue Kombination nahezu alle Tumorzellen abgetötet werden, während gesunde Blutzellen nicht angegriffen wurden. Nun muss die weitere klinische Entwicklung zeigen, ob die Krebstherapie um einen weiteren sicheren und verträglichen Ansatz bereichert werden kann.

Quellen:

Benjamin, D. et al.: Syrosingopine sensitizes cancer cells to killing by metformin. In: Science Advances, 2016, Vol. 2, no. 12, e1601756. DOI: 10.1126/sciadv.1601756 


Aerzteblatt.de: Wie Metformin und ein altes Medikament Krebszellen gemeinsam erledigen. Artikel vom 29.12.2016 (letzter Abruf: 30.12.2016)


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