Diabetes-Prävention

Adipositas – früh gegensteuern lohnt sich

08. Mai 2018

Zuckersteuer, Nährwert-Ampel, Werbeverbot – die Themen Fehlernährung und Übergewicht werden dieser Tage heiß diskutiert. Doch was bringt ein Umdenken tatsächlich? Eine dänische Studie im ‚New England Journal of Medicine‘ weist darauf hin, dass eine Gewichtsreduktion bei Kindern vor der Pubertät das Diabetes-Risiko signifikant senkt.

© Win Nondakowit/ Fotolia

In einem offenen Brief forderte vergangene Woche ein breites Bündnis aus Ärzteverbänden, Fachorganisationen und Krankenkassen die Bundesregierung auf, "ernst zu machen" mit der Prävention von Fettleibigkeit (Adipositas). Man bräuchte nun wirksame, ressortübergreifende Maßnahmen gegen Fehlernährung. Konkret fordern die Unterzeichner vier Punkte:

  • Lebensmittelkennzeichnung in Form einer Nährwert-Ampel
  • Beschränkung der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung
  • Durchsetzung verbindlicher Standards für die Schul- und Kitaverpflegung
  • Steuerliche Anreize für gesunde Ernährung

Ob und wie diese Maßnahmen umgesetzt werden, wird die Zukunft zeigen. Dass es sich aber grundsätzlich lohnt, bei Übergewicht früh gegenzusteuern, zeigen dänische Forscherinnen und Forscher in einer aktuellen Arbeit. Dafür hatten sie Registerdaten zu Gewichtsverläufen von über 62.565 jungen Männern unter die Lupe genommen. Deren Gewicht war im Rahmen von Untersuchungen zu drei Zeitpunkten gemessen worden: mit sieben und mit dreizehn Jahren sowie im frühen Erwachsenenalter (17-26 Jahre). Diese Daten glichen sie ab mit dem im nationalen Gesundheitsregister vermerkten Auftreten von Typ-2-Diabetes (insgesamt 6710 Personen).

Die Erkenntnis daraus: Wer dabei nur im Alter von sieben Jahren übergewichtig war, hatte kein erhöhtes Risiko, zwischen 30 und 60 an Diabetes zu erkranken. Wer hingegen mit 13 oder als junger Erwachsener zu viele Pfunde auf die Waage brachte, dessen Risiko war 1,7- bis 3-fach höher als bei lebenslangem Normalgewicht. Anhaltendes Übergewicht mit 13 bis ins frühe Erwachsenenalter ging mit 4-fachem Risiko einher.

Wer also von der Pubertät bis ins Erwachsenenalter zu viel auf die Waage bringt, hat nach der Studie ein größeres Diabetesrisiko als Männer, die erst als junge Erwachsene übergewichtig werden. Allerdings muss erwähnt werden: Die verbreitete Meinung, Übergewicht sei lediglich auf mangelnde Disziplin zurückzuführen, wird dem komplexen Problem nicht gerecht. Mehr zu den Grundlagen und Therapie finden Sie im Kapitel Adipositas.

 

Quellen:

Bjerregaard, LG. et al.: Change in Overweight from Childhood to Early Adulthood and Risk of Type 2 Diabetes. In: New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1713231

Ärzte Zeitung: Fehlernährung und Adipositas: Ärzte machen Druck. Artikel vom 2. Mai 2018

Ärzte Zeitung: Kinder profitieren von Gewichtsreduktion. Artikel vom 5. Mai 2018


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