Erste Erfolge: Immuntherapie gegen Typ-1-Diabetes

08. Dez 2015

Ein Wissenschaftlerteam der Universität von Kalifornien in San Francisco berichtet im Fachjournal ‚Science Translational Medicine‘ über eine erste Machbarkeitsstudie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes mit Hilfe des körpereigenen Immunsystems. Der neue Ansatz, bei dem den Patienten bestimmte T-Zellen entnommen, vermehrt und wieder injiziert wurden, hätte laut den Autoren keine Nebenwirkungen gezeigt und sei nun reif für weitere Experimente.

Blutprobe

Quelle: Fotolia

Bei Typ-1-Diabetes wendet sich das Immunsystem der Betroffenen gegen den eignen Körper, im Speziellen gegen die Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Um diese Fehlfunktion des Immunsystems zu unterbinden, versuchen die Forscher es quasi mit den eigenen Waffen zu schlagen. So genannte regulatorische T-Zellen (Tregs) kommen ganz natürlich im menschlichen Körper vor und dienen dazu, eine überschießende Immunantwort zu verhindern.

Die Idee des Forscherteams war es nun, diese Zellen zu vermehren und dadurch den Angriff auf die Betazellen zu bremsen. Zu diesem Zweck entnahmen die Wissenschaftler den 14 Probanden, Menschen mit Typ-1-Diabetes im Alter von 18 bis 45 Jahren, geringe Mengen an Blut. Aus diesem wurden mit Hilfe einer Maschine, die verschiedene Zelltypen anhand Ihrer Oberflächenstrukturen erkennen kann, die Tregs heraussortiert. Im nächsten Schritt vermehrten die Forscher diese Zellen in einer speziellen Nährlösung: Aus etwa zwei bis vier Millionen Tregs wurden auf diese Weise bis zu 1500-mal so viele, die dann den Patienten wieder zugeführt wurden. 

In vier Gruppen erhielten die Probanden aufsteigende Mengen der Zellen: wenigstens fünf Millionen, höchstens 2.6 Milliarden. Alle Probanden vertrugen diese Behandlung gut - laut den Forschern zunächst die wichtigste Aussage des Experiments. Darüber hinaus konnten sie zeigen, dass bis zu 25 Prozent der injizierten Zellen auch noch ein Jahr nach der Infusion im Blut nachweisbar waren.

Der Vorteil der möglichen Therapie wäre laut den Wissenschaftlern, dass man das Immunsystem nicht gänzlich unterdrücken und so Nebenwirkungen wie Infektionen in Kauf nehmen müsste, wie es aktuell bei der Verwendung von Immunsuppressiva der Fall sei. Stattdessen könne man versuchen, durch die regulatorischen T-Zellen das Immunsystem „neu zu erziehen (re-educate)“, während die Bekämpfung von Infektionen weiterhin stattfindet.

In weiteren Studien mit größeren Zahlen von Probanden muss nun überprüft werden, ob die Tregs das Immunsystem effizient an der Zerstörung der Betazellen hindern. Sollte das der Fall sein, könnten zudem möglicherweise auch Patienten mit anderen Autoimmunkrankheiten von dieser Art der Behandlung profitieren.

Quellen:

Bluestone JA et al. : Type 1 diabetes immunotherapy using polyclonal regulatory T cells. In: Science Translational Medicine, published in November 2015
DOI: 10.1126/scitranslmed.aad4134

Pressemitteilung der Universität Kalifornien vom 24. November 2015

 

Weitere Informationen:
Hier gelangen Sie zum Studienportal

Weiterer Forschungsansatz - Immuntherapie mit Nabelschnurblut
Typ-1-Diabetes: Zerstörung der Betazellen stoppen

 

 


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