SGLT2-Hemmer – Substanzklasse mit neuem Therapieprinzip

15. Jan 2013

Mit der Substanz Dapagliflozin aus der Klasse der SGLT2 (Sodium Glucose Cotransporter 2) – Hemmer kommt eine neuartige und vielversprechende antidiabetische Substanz auf den Markt. Aus der Fülle der Studien, die auf der Jahrestagung der Europäischen Diabetes-Gesellschaft in Berlin vorgestellt wurden, geht klar hervor, dass es sich bei den SGLT2-Hemmern um ein neues Therapieprinzip handelt, das anderen Antidiabetika in ihrer Effektivität teilweise überlegen ist.

Tabletten

Bild: benshot/fotolia.com

SGLT2 sorgt in der Niere für den Rücktransport von filtrierter Glucose aus dem Harn. Wird es geblockt, wird automatisch mehr Glukose über den Urin ausgeschieden und so der Blutzuckerspiegel gesenkt. Dapagliflozin ist das erste Arzneimittel in dieser neuen Substanzklasse, das für die Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen wurde. Cana-, Empa-, Tofo-, Luseoglifozin sind weitere Medikamente mit ähnlichem Wirkprofil, die demnächst folgen sollen.

Dapagliflozin wird einmal täglich als Tablette eingenommen. Aktuelle Studien belegen für die Substanz eine verbesserte Blutzuckereinstellung bei erwachsenen Patienten mit Typ-2-Diabetes. Das Präparat soll in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Medikamenten oder als Monotherapie bei Patienten mit Metformin-Unverträglichkeit gegeben werden.

Die Vorteile von Dapagliflozin sind:
•    Insulin-unabhängiger Wirkmechanismus durch selektive Blutzucker-Wiederaufnahme-Hemmung in den Nieren
•    Blutzucker-Senkung mit Gewichtsreduktion und Blutdrucksenkung als zusätzlicher Vorteil nachgewiesen
•    Bessere Blutzucker-Senkung und Gewichtsreduktion im Vergleich zu Sulfonylharnstoffen und DPP-4-Hemmern
•    Minimales Risiko für Unterzuckerung.

Aufgrund eines umfangreichen klinischen Entwicklungsprogramms hat die Europäische Arzneimittel-Behörde (EMA) die Zulassung der Substanz in 2012 erteilt. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat die Entscheidung vertagt, insbesondere weil Häufigkeit und Schwere der Nebenwirkungen noch nicht eindeutig eingeschätzt werden konnten.

Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören durch den zuckerhaltigen Urin bedingte Harnwegs-Infektionen und Infektionen des Genitaltrakts. Die zusätzliche Blutzuckersenkung bei einer Kombinationstherapie mit Metformin oder Sulfonylharnstoffen, verbunden mit einer Gewichtsreduktion und Senkung des Blutdrucks, ist eine attraktive Therapieoption. Laufende Langzeitstudien müssen allerdings in den nächsten Jahren den Stellenwert von SGLT2-Hemmern klarstellen und ihre Therapiesicherheit in der Diabetes-Behandlung beweisen.


Quellen und wissenschaftliche Beratung:


Prof. Dr. Hans Janka, München

AviralVatsa: Overview of new strategy for treatment of T2DM: SGLT2 inhibiting oral antidiabetic agents. - Pharmaceutical Intelligence - A blog specializing in Pharmaceutical Intelligence and Analytics

Sarashina, A. et al.: Safety, Tolerability, Pharmacokinetics and Pharmacodynamics of Single Doses of Empagliflozin, a Sodium Glucose Cotransporter-2 (SGLT-2) Inhibitor, in Healthy Japanese Subjects. In: Drug Metabolism and Pharmacokinetics (2012), doi: 10.2133/dmpk.DMPK-12RG-082

EMA lässt umstrittenes Diabetesmedikament zu. In: Deutsches Ärzteblatt (2012)

European Medicines Agency recommends authorisation of novel treatment for type 2 diabetes. Pressemitteilung der EMA. EMA/CHMP/257385/2012



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