Typ-1-Diabetes - Wer erkrankt wie schnell?

29. Apr 2013

Ob sich Typ-1-Diabetes innerhalb weniger Monate oder erst im Laufe vieler Jahre entwickelt, hängt vermutlich von verschiedenen Faktoren ab: Eine bestimmte Kombination von Risikogenen, das frühe Auftreten spezieller Autoantikörper sowie eine Kaiserschnitt-Geburt scheinen den Krankheitsausbruch zu beschleunigen. Details dazu haben Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München jetzt entschlüsselt.

Uhrzeit - Wann entwickelt sich Typ-1-Diabetes

Foto: F.Pfluegl/Fotolia

Die Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München beobachteten dafür Teilnehmer der BABYDIAB-Studie über einen Zeitraum von 20 Jahren. Die BABYDIAB-Studie ist die erste Studie ihrer Art, in der Menschen mit mindestens einem Typ-1-Diabetiker in der Verwandtschaft von Geburt an beobachtet werden. „Die lange Beobachtungsdauer hat es uns ermöglicht, zwei Extremgruppen mit einer intensiven Autoimmunreaktion zu identifizieren und zu vergleichen“, so Dr. Peter Achenbach vom Institut für Diabetesfoschung.

Das Ergebnis der Analysen: Obwohl Kinder mit mehreren Autoantikörpern sich in ihrer Immunantwort ähneln, schreitet bei ihnen die Phase der Autoimmunität bis zu den ersten klinischen Symptomen unterschiedlich schnell voran. Die Münchner Forscher bildeten zwei Gruppen. Eine Gruppe mit Kindern, die erst mindestens zehn Jahre nach dem erstmaligen Auftreten von Autoantikörpern Typ-1-Diabetes bekamen sowie eine zweite mit Kindern, die bereits nach spätestens drei Jahren erkrankten.

Die größten Unterschiede zeigten sich bei der Entwicklung des Autoantikörpers IA-2A (Autoantikörper gegen das Inselzell-Antigen 2), der auf ein hohes Diabetes-Risiko hindeutet. Die Kinder mit langsamer Krankheitsentwicklung entwickelten auch diesen Antikörper erst verzögert. Die Gruppe von Kindern, die den Typ-1-Diabetes schnell entwickelten, hatte einen höheren Anteil an Risikogenen, die an der Steuerung der Immunantwort beteiligt sind. Einzeln für sich betrachtet sind diese Genvarianten zwar nur mit einem relativ gering erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden. Treten sie jedoch in bestimmten Kombinationen auf, begünstigt dies offensichtlich einen frühen Krankheitsausbruch. Dies gilt insbesondere für die Risikovarianten des IL2 Gens, sowie des IL2-Rezeptor-Gens CD25, welche Immunreaktionen vermitteln. Dagegen konnte kein Unterschied zwischen beiden Gruppen bezüglich der HLA (Humanes Leukozyten Antigen)-Genvarianten gefunden werden, die das größte Risiko für Typ-1-Diabetes darstellen.

Grundsätzlich glichen sich die Kinder bezüglich demographischer Faktoren. Im Hinblick auf die Umweltbedingungen unterschieden sie sich lediglich nach Spontangeburt oder Kaiserschnitt: Die Hälfte der schnell Typ-1-Diabetes entwickelnden Kinder waren per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen, bei den Kindern, die das Krankheitsbild langsam entwickeln, war nur jedes sechste Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen.

Die Ergebnisse der Münchner Forscher könnten helfen, diejenigen Teilnehmer für Präventionsstudien auszuwählen, die davon am meisten profitieren würden.


Quellen:
Achenbach P et al. (2013): Characteristics of rapid vs slow progression to type 1 diabetes in multiple islet autoantibody-positive children, Diabetologia, doi: 10.1007/s00125-013-2896-y

Helmholtz Zentrum München: Typ-1-Diabetes: Schnell krank oder langsam? Die Kombination der Gene macht‘s. - Pressemitteilung vom 25.04.2013

Studien zu Typ-1-Diabetes 


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