Typ-2-Diabetes

Schnabeltiere als Wirkstofflieferanten?

13. Dez 2016

Für ihr Giftsekret produzieren Schnabeltiere eine besonders langlebige Form des Verdauungshormons GLP-1. Dies könnte für die Optimierung von Medikamenten wie GLP-1-Analoga interessant sein. Australische Forscher veröffentlichten diese Ergebnisse über die seltenen, nur in Australien vorkommenden eierlegenden Säugetiere im Journal `Scientific Reports`.

Schnabeltiere als Wirkstofflieferanten?

© pixelcaos - Fotolia.com

Das Protein Glucagon-like peptide-1 (GLP-1) erfüllt beim Schnabeltier zwei völlig unterschiedliche Funktionen. Als Darmhormon reguliert es nach Nahrungsaufnahme und Anstieg des Blutzuckerspiegels die Insulinausschüttung, wie beim Menschen auch. Als Bestandteil des Gifts des Schnabeltiermännchens hat es die Aufgabe, Feinde abzuwehren. Männliche Schnabeltiere besitzen Giftsporne an den Hinterbeinen, welche hauptsächlich während der Paarungszeit eingesetzt werden, gegen andere Männchen im Kampf um paarungsbereite Weibchen.

Das Darmhormon GLP-1 hat nur wenige Minuten Zeit, seine Wirkung zu entfalten, bevor es zerfällt. Im Drüsensekret, das durch den Giftsporn abgegeben wird, kommt GLP-1 in einer abgewandelten, stabileren Form vor. Dies ist ein gutes Beispiel für die evolutionär unterschiedliche Entwicklung von denselben Proteinen, die im Körper an verschiedenen Stellen vorkommen. Sie haben sich jeweils an die verschiedenen Funktionen angepasst.

GLP-1-Analoga sind bereits als blutzuckersenkende Medikamente zur Behandlung des Typ-2-Diabetes auf dem Markt. Sie wirken appetithemmend, verzögern die Magenentleerung, regen die Insulinausschüttung an und unterdrücken die Zuckerneubildung in der Leber. Aufgrund ihrer Eigenschaften unterstützen sie die Gewichtskontrolle der Patienten.

Der bisherige Wirkstoff, der unter die Haut zu spritzen ist, stammt ebenfalls aus dem Tierreich: er wurde aus dem Speichel der Gila-Krustenechse isoliert und ist bereits langlebiger als das körpereigene Hormon des Menschen.

Noch ist unklar, ob die Erkenntnisse der australischen Wissenschaftler zu einer Weiterentwicklung des Wirkstoffes führen können. Weitere Tests werden zeigen, ob das Schnabeltier hier mit der Krustenechse mithalten kann.

Quellen:

Tsend-Ayush, E. et al.: Monotreme glucagon-like peptide-1 in venom and gut: one gene – two very different functions. In: Scientific Reports 6, Article number: 37744 (2016) doi:10.1038/srep37744

EurekAlert: Platypus venom could hold key to diabetes treatment. Pressemitteilung vom 29. November 2016 (letzter Abruf 12.12.16)


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