Rolle von „Junk-DNA" in der Entstehung von Typ-2-Diabetes

09. Mai 2014

Veränderungen in den Bereichen der Erbsubstanz (DNA), die keinen Code für genetische Informationen enthalten, könnten eine wichtige Rolle in der Entstehung von Typ-2-Diabetes spielen, berichtet ein internationales Wissenschaftlerteam im Fachmagazin Nature Genetics. Ihre Studie ist eine der ersten, die zeigt, wie diese vermeintlich nutzlosen DNA-Bereiche, das menschliche Erkrankungsrisiko beeinflussen können.

Doppelhelix-Struktur der DNA (Bild: Falko-Matte/fotolia)

DNA-Sequenzen im Erbgut, die keine Bauanleitung für Proteine enthalten, wurde lange Zeit keine relevante biologische Funktion beigemessen (ehemals sogenannte Junk-DNA). Neuerdings weiß man, dass sich einige Regionen dieser vermeintlich nutzlosen DNA-Abschnitte, sogenannte regulatorische Elemente, als wichtige Steuerelemente im Erbgut erweisen. Sie enthalten molekulare Schalter, die die menschlichen Gene nach Bedarf an- und abschalten können. Als Auslöser für Krankheiten wie Diabetes oder Krebs kommen demnach mitunter auch Gen-steuernde Sequenzen und nicht die Gene selbst in Frage.

Bei Typ-2-Diabetes werden Zielgewebe weniger empfindlich für Insulin. Zudem sind die Betazellen nicht mehr in der Lage, genügend Insulin bereit zu stellen, um den gesteigerten Bedarf an Insulin zu kompensieren. Die Wissenschaftler entschlüsselten nun regulatorische Elemente, die die Genaktivität in den Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse beeinflussen. Das Team um Prof. Jorge Ferrer fand heraus, dass diese gen-steuernden Sequenzen in Gruppen (Clustern) verortet sind, und dass Gene, die im Zusammenhang mit einem erhöhten Diabetesrisiko stehen, ebenfalls in diesen Clustern liegen. 

„Viele Menschen haben kleine DNA-Varianten in diesen regulatorischen Elementen, welche die Umsetzung der genetischen Information in den insulinproduzierenden Zellen beeinflussen“, erklärt Ferrer. „Dieses Wissen erlaubt es uns, die detaillierten Mechanismen zu verstehen, inwieweit bestimmte DNA-Varianten dieser gen-steuernden Sequenzen Typ-2-Diabetes begünstigen.“

Die Studie liefert Hinweise auf die Mechanismen, die auf die frühesten Stadien der Entstehung eines Typ-2-Diabetes einwirken. Den Wissenschaftlern zufolge könnte sie für neue Therapien und in der Prävention der Erkrankung richtungsweisend sein. 

 

Quelle: 

Pasquali, L. et al.: Pancreatic islet enhancer clusters enriched in type 2 diabetes risk-associated variants. In: Nature Genetics, 2014, published ahead of print, DOI: 10.1038/ng.2870. 12. Januar 2014


Lesen Sie hier mehr über

- Die Rolle der Gene bei Typ-1-Diabetes 
- Die Rolle der Gene bei Typ-2-Diabetes
- Genforschung für Diabetes


zum Seitenanfang
Druckversion

Wir verwenden Cookies um Ihnen den Besuch der Webseite so angenehm wie möglich zu machen. Wir benötigen Cookies um die Dienste ständig zu verbessern, bestimmte Features zu ermöglichen und wenn wir Dienste bzw. Inhalte Dritter einbetten, wie beispielsweise den Videoplayer. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Wir verwenden unterschiedliche Arten von Cookies. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Cookie-Einstellungen zu personalisieren:

Einstellung anzeigen.
In unserer Datenschutzerklärung finden Sie weitere Informationen.

Dort können Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern.