Forschung

Mini-Pille statt Insulinspritze

08. Mär 2019

Einem US-amerikanischen Forscherteam ist es gelungen, eine Insulin-Pille mit einer winzigen integrierten Nadel zu entwickeln. Sie kann das Insulin direkt in die Magenwand abgeben. Die Pille könnte Insulin-pflichtigen Menschen mit Typ-2-Diabetes zukünftig das Spritzen ersparen. Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin ‚Science‘ veröffentlicht.

Insulin als Tablette

© HamsterMan / Fotolia

Nicht alle Wirkstoffe können den Magen-Darm-Trakt unbeschädigt passieren. Dazu gehört auch das Insulin, das bislang ins Unterhautfettgewebe gespritzt werden muss. Die heidelbeergroße schluckbare Pille, die die Forschenden in Zusammenarbeit mit einem pharmazeutischen Hersteller entwickelten, trägt im Inneren eine Mikronadel aus Insulin. Innerhalb der bioabbaubaren Kapsel ist die Nadel an einer komprimierten Feder befestigt, die durch einen zuckerähnlichen Stoff am Platz gehalten wird. In der Magenflüssigkeit löst sich dieser Stoff auf und die Nadel gelangt mit Hilfe der Feder an die Magenwand, wo das Insulin injiziert wird. Da die Magenwand keine Schmerzrezeptoren besitzt, gehen die Forscher davon aus, dass die Mini-Injektionen keine Schmerzen verursachen. Die Reste der Kapsel werden über das Verdauungssystem ausgeschieden.

Blutzuckerspiegel sank ähnlich stark wie durch Insulinspritze

Im Tiermodell konnte das Wissenschaftlerteam zeigen, dass mittels der Hightech-Pille annähernd genauso viel Insulin in den Blutkreislauf gelangte, wie sich Menschen mit Typ-2-Diabetes spritzen müssen (300 µg). Ebenso sank der Blutzuckerspiegel messbar. Die Insulinmenge konnte sogar auf 5 mg erhöht werden, was der benötigten Dosis von Menschen mit Typ-1-Diabetes entspricht. Bislang erfolgten alle Untersuchungen allerdings nur auf leeren Magen. Wie der Mechanismus bei vollem Magen funktioniert und ob die Magenwand von wiederholten Einstichen geschädigt wird, ist Gegenstand weiterer Tests.

Die Forschenden zeigen sich optimistisch, dass die Kapsel zukünftig Menschen mit Diabetes helfen kann, die bislang auf Insulinspritzen angewiesen sind. Bis zur Marktreife des Systems wird es allerdings noch einige Jahre dauern.

Quellen:

Pharmazeutische Zeitung  online: Kapsel statt Spritze. (Letzter Abruf: 27.02.2019)

Abramson, A. et al.: An ingestible self-orienting system for oral delivery of macromolecules. In:  Science (2019), DOI: 10.1126/science.aau2277 


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