Macht eine gestörte innere Uhr dick?

30. Okt 2012

Es gibt vermehrt Hinweise darauf, dass Übergewicht und Diabetes auch Folge einer gestörten inneren Uhr der Menschen insbesondere in Industrieländern sein können. Dies geht aus einer aktuellen Publikation von Wissenschaftlern der schottischen Universität Aberdeen hervor. Der Grund dafür könnte sein, dass Störungen dieser inneren Uhr auch die Entzündungsaktivität im Körper erhöhen.

24-Stunden-Uhr

Jede Zelle unseres Körpers hat eine molekulare Uhr, alle Zellen zusammen ergeben die sogenannte „innere Uhr“ des Menschen. Diese folgt annähernd einem 24-Stunden-Rhythmus und bestimmt unter anderem das Auf und Ab von Blutdruck, Körpertemperatur sowie der Konzentration von Hormonen wie dem Insulin. Wenn der Mensch zum Beispiel sehr unregelmäßige Arbeits- und damit auch Schlafens- und Essenszeiten hat, entkoppelt er die natürlichen Rhythmen seines Körpers von regelmäßig wiederkehrenden „zeitgebenden“ Umgebungsfaktoren. Das wirkt sich offenbar auch auf den Stoffwechsel aus.

Auch die variierende Tageslänge nördlicher Breitengrade erschwert die Feinjustierung der inneren Uhr und könnte eine gewisse Empfänglichkeit für Übergewicht vermitteln, wie Dr. Cathy Wyse von der University of Aberdeen in einem in der Fachzeitschrift Bioessays kürzlich erschienenen Artikel postuliert.

Da die tageszeitlichen Rhythmen im Körper durch Gene gesteuert werden, kann es sein, dass manche Menschen empfindlicher als andere auf eine Störung der inneren Uhr reagieren. Ein mögliches molekulares Bindeglied zwischen Störungen dieser sogenannten zirkadianen Rhythmen und einer erhöhten Entzündungsaktivität entdeckten vor kurzem US- Forscher bei Versuchen mit Mäusen. Es handelt sich um eine bestimmte Komponente der „Zelluhren“, die sogenannten Cryptochrome-Proteine (CRY). Sie regulieren den Schlaf-Wach-Zyklus, eichen so unsere innere Uhr, und regulieren die Glukoseneubildung in der Leber, die etwa nach dem nächtlichen „Fasten“ nötig ist. Fehlen die Cryptochrome, dann wird in den Zellen ein bestimmter Signalweg (NF-KappaB) aktiviert. Das führt schließlich dazu, dass vermehrt entzündungsfördernde Substanzen produziert werden.

Nun gibt es aber Hinweise darauf, dass schwelende (subklinische) chronische Entzündungen langfristig Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes fördern können. Wenn es also gelänge, diesen Signalweg zu unterbrechen, hätte man möglicherweise einen therapeutischen Ansatz dagegen gefunden.

Quellen:
Wyse, C.: Does human evolution in different latitudes influence susceptibility to obesity via the circadian pacemaker. Bioessays 2012; DOI: 10.1002/bies.201200067

Narasimumurthy, R. et al: Circadian clock protein cryptochrome regulates the expression of proinflammatory cytokines. PNAS 2012; doi: 10.1073/pnas1209965109

Zhang, E.E. et al: Cryptochrome mediates circadian regulation of cAMP signaling and hepatic gluconeogenesis. Nature Medicine 2010; 16: 1152-1156. doi:10.1038/nm.2214

 


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