Früher Typ-1-Diabetes: Virusinfektionen spielen wohl keine direkte Rolle

07. Mai 2013

Virusinfektionen sind wahrscheinlich nicht die Ursache, wenn sich Typ-1-Diabetes im Kindesalter besonders rapide entwickelt. Dies ist eines der ersten Resultate der internationalen TEDDY-Studie. Sie untersucht Umweltfaktoren, die eine Erkrankung an Typ-1-Diabetes im Kindesalter bedingen könnten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift ‚Diabetologia‘ publiziert.

Kind mit Typ-1-Diabetes

anetta/fotolia

„Unsere Ergebnisse schließen zwar die Möglichkeit für ein ursächliches Virus, mit dem Kinder sich vor dem 6. Lebensmonat infizieren, nicht aus“, erklärt Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München. „Allerdings stellen die Resultate Viren als Auslöser momentan in Frage. Die Studie belegt, dass zum Zeitpunkt der Entwicklung der Autoimmunität keine viralen Auslöser vorhanden sind.“

Virusinfektionen gelten als ein potentieller Auslöser der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes. Bei der Erkrankung kommt es durch Autoimmunreaktionen zu einer Zerstörung der Insulin-bildenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. Zu einem Ausbruch der Erkrankung kann es innerhalb weniger Monate kommen, in manchen Fällen entwickelt sich die Krankheit jedoch auch schleichend über Jahre.

Das internationale Wissenschaftlerteam wertete Daten der TEDDY (The Environmental Determinants of Diabetes in the Young)-Studie aus, um herauszufinden, ob virale Infektionen bei Babys die Ursache eines besonders schnell eintretenden Typ-1-Diabetes sind. Zwischen 2004 und 2010 fanden sie unter insgesamt 420.000 Babys über 21.000 Säuglinge mit einem genetisch bedingt erhöhten Risiko für Typ-1-Diabetes. 8.677 Kinder von ihnen nehmen nun an der TEDDY Studie teil.

Über den Beobachtungszeitraum bis Juli 2011 bildeten 355 Kinder Diabetes-typische Autoantikörper, 86 davon entwickelten einen manifesten Typ-1-Diabetes. In 24 Fällen brach die Krankheit bereits innerhalb von sechs Monaten nach Autoantikörperentstehung aus. Nur eines dieser Kinder hatte eine nachweisbare Viruslast, die übrigen Proben zeigten keinerlei Unterschiede zu Kontrollproben gesunder Kinder gleichen Alters.  Auch der Vergleich der gesammelten Daten mit viralen Infektionsereignissen der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts der 24 erkrankten Kinder mit denen von 72 gesunden Kindern zeigte keinen Zusammenhang von viralen Infektionen und dem Ausbruch einer Typ-1-Diabetes-Erkrankung.

Überraschenderweise hatten die Kinder mit Diabetes weniger Fieber-Episoden als die Kinder der Kontrollgruppe. Die Wissenschaftler wollen diese Daten nun im Rahmen der TEDDY-Studie überprüfen. Sie könnten darauf hindeuten, dass Fieber als ein Kennzeichen einer kompetenteren Immunabwehr und Viruselimination in gesunden Kindern steht.


Quelle:
Helmholtz Zentrum München: Typ-1-Diabetes: Kein direkter Zusammenhang zwischen Virusinfektion und rapidem Krankheitsausbruch. – Pressemitteilung vom 7. 5. 2013 (Letzter Abruf: 7.5.2013)

Lee, H.-S. et al. (2013): Next-generation sequencing for viruses in children with rapid-onset type 1 diabetes, Diabetologia, doi: 10.1007/s00125-013-2924-y

Laufende Studien zu Typ-1-Diabetes finden Sie hier


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