Grundlagenforschung

Körper reagiert auf Burger wie auf Bakterien

16. Jan 2018

Auf Fastfood reagiert das Immunsystem ähnlich wie auf eine bakterielle Infektion und wird dadurch langfristig aggressiver. Das berichten Bonner Forscherinnen und Forscher in der Fachzeitschrift ‚Cell’. Insgesamt führten Burger und Co. demnach schneller zu Entzündungen und fördern direkt die Entstehung von Arteriosklerose und Diabetes.

Fastfood

© Fotoatelie - Fotolia

Ausgangspunkt der Studie waren Mäuse, die einen Monat lang auf eine fett- und zuckerreiche Ernährung mit wenig Ballaststoffen gesetzt wurden. Die Tiere entwickelten daraufhin eine massive körperweite Entzündung mit einem Anstieg von Immunzellen im Blut – fast wie nach einer Infektion durch Bakterien.

Ein Vergleich der Immunzellen mit denen von normal gefütterten Mäusen ergab, dass bei der ungesunden Nahrung eine große Anzahl von Genen aktiviert war. Betroffen waren unter anderem Erbanlagen, die für die Vermehrung und Reifung der Immunzellen zuständig sind. Fastfood führe also dazu, dass der Körper rasch eine riesige schlagkräftige Kampftruppe rekrutiert, so die Autoren in einer Mitteilung.

Wenn die Forscher den Nagern nun vier weitere Wochen lang wieder arttypische Getreide-Kost anboten, verschwand die akute Entzündung. Was nicht verschwand, war der Alarmzustand der Immunzellen: Auch nach diesen vier Wochen waren in ihnen noch viele der Erbanlagen aktiv, die in der Fastfood-Phase angeschaltet worden waren. Die Forschenden vermuten dahinter eine Art Gedächtnis des Immunsystems, wie es beispielsweise bei Impfungen aufgebaut wird, um schnell auf Erreger reagieren zu können.

Entzündungen können Diabetes begünstigen

Die Wissenschaftler konnten das Molekül NLRP3 als den „Fastfood-Sensor“ in den Immunzellen identifizieren, der für die anhaltende Alarmbereitschaft des Immunsystems verantwortlich ist. Anschließend untersuchten sie Blutzellen von 120 Testpersonen. Bei einigen der Probanden zeigte das angeborene Immunsystem einen besonders starken Trainings-Effekt. Und die Forscher fanden in ihnen genetische Hinweise darauf, dass daran ein so genanntes Inflammasom beteiligt ist, das zum Teil aus NLRP3 besteht. Inflammasome sind Sensoren des angeborenen Immunsystems. Sie erkennen schädliche Substanzen und setzen Entzündungsbotenstoffe frei. Das Immunsystem reagiert in der Folge schon auf kleine Reize mit stärkeren Entzündungsantworten.

Diese wiederum können die Entstehung von Gefäßkrankheiten oder auch Typ-2-Diabetes drastisch beschleunigen, so die Autoren. Als mögliche Konsequenz der neuen Erkenntnisse fordern die Autoren, die Grundlagen einer gesunden Ernährung müssten noch viel stärker zum Schulstoff werden. Kinder hätten jeden Tag die Wahl, was sie essen. Man solle ihnen ermöglichen, bei ihrer Ernährung eine bewusste Entscheidung zu treffen.

Quellen:
Christ, A. et al.: Western diet triggers NLRP3-dependent innate immune reprograming. In: Cell, 2018, DOI: 10.1016/j.cell.2017.12.013

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Fastfood macht Immunsystem langfristig aggressiver. Pressemitteilung vom 11. Januar 2018


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