Mit personalisierter Therapie gegen Übergewicht

20. Okt 2015

Auf der Suche nach den Ursachen für Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas oder Diabetes hat ein internationales Wissenschaftler-Team unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) ein ganzes Netzwerk an Einflussfaktoren aufgedeckt. Neben der Ernährung, der Umwelt und der Genetik spielt auch die Zusammensetzung der Darmbakterien eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse sind im Journal ‚Cell Metabolism‘ nachzulesen.

personalisierte Medizin

Quelle: ag visuell/Fotolia

Für ihre Untersuchungen zog das Team um Dr. Siegfried Ussar vom Institut für Diabetes und Adipositas am Helmholtz Zentrum München Mäuse mit verschiedenen genetischen Hintergründen heran und beobachtete Unterschiede je nachdem, wo sie gehalten bzw. wie sie gefüttert wurden.

Konkret untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler drei unterschiedliche Tiermodelle aus unterschiedlicher Haltung und mit unterschiedlich genetisch vorprogrammierten Stoffwechsel-Eigenschaften, wie beispielsweise Adipositas. Sie verglichen diese mit Exemplaren gleicher Abstammung, die aber über mehrere Generationen bei Kollegen im US-amerikanischen Boston gehalten wurden.

Laut den Forschern führten veränderte Nahrung und Umgebung bei einer bestimmten genetischen Ausgangslage zu einem Rückgang des Übergewichts. Dies funktionierte allerdings nicht mit allen Mäusen. War der genetische Hintergrund ein anderer, spielten die neue Umgebung und die Futterumstellung keine Rolle mehr.

„Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die Zusammensetzung der Bakterien im Darm sehr leicht durch die Nahrung und Umgebung beeinflusst werden kann“, beschreibt Erstautor Ussar die Ergebnisse. „Die Auswirkungen dieser Veränderungen auf den Organismus hängen jedoch stark von den genetischen Voraussetzungen des Einzelnen ab.“ Die Autoren schlussfolgern, dass bei Stoffwechselerkrankungen in Zukunft noch mehr auf individualisierte Therapieansätze gesetzt werden sollte, um den besten therapeutischen Erfolg zu erzielen.

Laut den Wissenschaftlern haben ihre Ergebnisse zudem auch Auswirkungen auf aktuelle Forschungsvorhaben, die darauf abzielen, Adipositas durch den Transfer von Darm-Bakterien zu begegnen. Vorhergehende Arbeiten konnten bereits zeigen, dass diese sich zwischen schlanken und adipösen Personen unterscheiden. Dementsprechend laufen im Moment Untersuchungen, die versuchen zu klären, ob sich ein Transfer bestimmter Darmbakterien positiv auf metabolische Krankheiten auswirkt. Die Erkenntnisse der aktuellen Studie legen nahe, dabei auch den individuellen genetischen Hintergrund des Empfängers zu beachten.


Quelle:
Ussar, S. et al.: Interactions between Gut Microbiota, Host Genetics and Diet Modulate the Predisposition to Obesity and Metabolic Syndrome. In: Cell Metabolism, 2015, Sep 1; 22(3):516-30.

Weitere Informationen:
Erkrankungsformen Adipositas
Wie Übergewicht den Stoffwechsel verändert
Nachrichten zu „Metabolisches Syndrom“


zum Seitenanfang
Druckversion

Wir verwenden Cookies um Ihnen den Besuch der Webseite so angenehm wie möglich zu machen. Wir benötigen Cookies um die Dienste ständig zu verbessern, bestimmte Features zu ermöglichen und wenn wir Dienste bzw. Inhalte Dritter einbetten, wie beispielsweise den Videoplayer. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Wir verwenden unterschiedliche Arten von Cookies. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Cookie-Einstellungen zu personalisieren:

Einstellung anzeigen.
In unserer Datenschutzerklärung finden Sie weitere Informationen.

Dort können Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern.